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Travel Diary: Zu Besuch in Matera

8. Juni 2017

Wo wir vorher noch durch Matera’s austauschbare, neuen Strassen liefen, stehen wir nun inmitten einer Szenerie, wie ich sie noch nie gesehen habe. Die Gassen sind eng und die Häuser dicht aneinander gedrängt. Wir gehen über holpriges Kopfsteinpflaster und sind froh, unsere bequemsten Turnschuhe zu tragen. Kaum machten wir den ersten Schritt in die Altstadt Materas war es um uns geschehen.

In diesem Travel Diary erzähle ich euch von unserem wunderbaren Besuch in Matera in Süditalien.

Matera

Wohl der grösste Gegensatz: Aussen kaum auffällig ist die Kirche innen umso imposanter.

Es wirkt surreal. Ich fühle mich zurückversetzt an biblische Spielorte, welche nur in meinen Gedanken Gestalt haben. Ich bin nicht religiös und trotzdem beschwört die Stadt Geschichten aus dem Kirchenunterricht als Kind vor meinen Augen auf.

Matera liegt in der süditalienischen Region Basilikata und ist eine der ältesten Städte der Welt. Bereits in der Jungsteinzeit siedelten sich hier Menschen an. Im ersten Moment scheint es unlogisch, dass Menschen sich hier niederliessen. Der Ort ist weit vom Meer entfernt und liegt auf 1200 Metern über Meer. Ein zuweilen unwirtliches Klima, wie sich auch uns zeigen wird. Doch auf den zweiten Blick wird klar, wieso dies eine Heimat wurde. Die Menschen fanden Zuflucht in natürlichen Höhlen der Felsen auf welchen die Stadt heute steht. Diese wurden zu Wohnungen, Gemeinschaftssälen und Kirchen. Kühl, aber trocken. Im Winter boten die Höhlen Geborgenheit, im Sommer Schutz vor der sengenden Hitze. Durch das Tal fliesst trinkbares Wasser und die Böden sind bestellbar.

Matera

Eingänge zu Höhlen auf der anderen Seite der Schlucht

Matera

Blick auf den Fluss

Durch das weiche Gestein konnten die Höhlen umgeformt und erweitert werden. Irgendwann wurde dann damit begonnen, Eingänge aus dem abgetragenen Material zu bauen. So entstand ein enges Netz an Wohnraum. Bis in die 60er Jahre wohnten Italiener in Matera so in ihren Höhlen. Aufgrund der in der Zeit «rückständigen» Lebensweise ohne Strom und fliessendes Wasser wurden die Bewohner zwangsumgesiedelt.

Matera

Am Rande der Schlucht: Hinten sieht man die Eingänge zu den Höhlen

Nachfolgend wurde der „Ort der Schande“ abgesperrt und bot somit idealen Unterschlupf für Dealer, Schmuggler und allerhand Dunkles. Ende der 1980er Jahre erkannte man den wichtigen kulturellen Wert der „Sassi di Matera“ und begann sie wiederaufzubauen. Mittlerweile befindet sich ein Grossteil des Ortes in Besitz der Stadt und wer darin wohnen will kann unter der Bedingung zu restaurieren subventioniert darin wohnen. Einige Höhlen wurden nun Beschauungsorte für Touristen umgestaltet.

Matera als Kulturhauptstadt 2019

Seit 1993 gehören die Höhlensiedlungen, „Sassi“ genannt zum UNESCO Welterbe. Und Matera wurde 2014 durch die europäische Kommission zur Kulturhauptstadt des Jahres 2019 ausgezeichnet. Diese Auszeichnung ist eine grosse Ehre und mitunter auch ein Grund, wie ich von der Stadt erfuhr. Ich bin dankbar, waren wir jetzt dort, denn wir merkten das ein Umbruch stattfindet. Viele Strassen werden umgebaut, Gebäude saniert und es wird alles daran gesetzt dem kommendem Touristenstrom gewachsen zu sein. Das ist gut, aber es birgt auch die Gefahr eines Identitätverlusts.

Bei unserem Besuch ist die Stadt noch durch und durch authentisch. Die Wäsche hängt draussen, die Ausschilderungen sind dürftig. Es hat einige Bed&Breakfasts in der Sassi, aber ohne Italienischkenntnisse können wir nur mit Händen und Füssen kommunizieren. Gut ein Drittel aller Gebäude sind noch dem Zerfall ausgesetzt. Es ist herrlich aufregend, die Stadt zu besuchen.

Matera MateraMateraMatera

Am Morgen präsentiert sie sich uns kalt und in einem Nebelgewand. Kaum jemand ist so früh unterwegs und wir stehen inmitten von Stille. Durch das Treppensteigen wird uns schnell warm, ab und zu huscht uns eine Katze entgegen. Als dann die Sonne hervor kommt beleuchtet sie die Konturen der speziellen Steine und ich wüsste zu gerne, wie es sich in einem der Häuser wohnen lässt.

Matera

Für später sichern: Zu Besuch in Matera Travel Diary

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