Erlebnisse slow travel

Travel Diary Venedig – Teil 2

1. August 2016

Ich tippe in der Küche an der Fortsetzung meines Venedigberichtes. Schon eine Weile möchte ich ihn veröffentlichen, war aber bislang nicht zufrieden. Morgen steht die nächste kleine Reise an, in den Kanton Glarus! Zelt, Freunde und Natur – ich freue mich! Nun aber zum zweiten Teil meines Berichts über Venedig…

Es war kaum Sonntag, da klingelte auch schon unser Wecker. Die Idee, den Sonnenaufgang zu sehen und durch die menschenleeren Gassen zu wandern war um viertel vor fünf in der Früh nicht mehr prickelnd. Aber wir zogen uns an und gingen los. Vorher schnappte ich mir noch ein feines aber ziemlich ungesundes Misura Gipfeli mit Aprikosenfüllung.

Etwas planlos liefen wir in die Richtung, welche wir noch nicht gesehen hatten. Schnell war klar, dass wir nicht die einzigen Menschen waren. Nur waren wir die beiden, welche bereits wieder aufgestanden waren und nicht nach Zigarettenrauch und Alkohol rochen. Die Gesichter und die Strassen zeigten, dass es eine lustige Partynacht gewesen sein musste.

Wir fanden uns bald an der Piazzale Roma, dem Bahnhof der Stadt. Von dort aus überquerten wir eine architektonisch spannende Brücke und erblickten dabei das Morgenrot. In Venedig ist es schwierig, einen Blick auf die aufgehende Sonne zu erhaschen. Nur auf einer Brücke oder am Rande der Häuser ist ein freier Blick möglich. Deshalb lohnt es sich, etwas vorauszuplanen und ein Ziel zu haben. Der Sonnenaufgang an diesem Morgen war zuerst ein wahres Highlight. So viele intensive Farben! Bald darauf wurde er jedoch von den Wolken verdeckt, da trübes Wetter aufgezogen war.

Wunderplunderschönes Morgenrot!

Himmel wurde schnell hell und bewölkt.

Nach Kaffee und einem weiteren Misura Gipfeli gingen wir zurück in die Pension um noch eine Mütze Schlaf abzukriegen. Wir beschlossen, vor der Türöffnung (9:00) am Dogenpalast zu stehen um ihn in aller Ruhe besichtigen zu können. So ging es nach einem Powernap zum Markusplatz. Weil noch nichts offen hatte, machten wir gegenseitig einige Erinnerungsbilder. Als ich so an diesem Pfosten lehnte und in die Kamera lächelte schob sich plötzlich ein gigantisches Schiff hinter dem Dogenpalast hervor.

Eine schwimmende Stadt in der Stadt der Brücken

Typisches Urlaubsbild: Zwei Sekunden später entdeckte ich das grosse Schiff

Es war ein riesiggrosses Kreuzfahrtschiff und uns fielen fast die Augen aus dem Kopf. Es schien die gesamte Breite des Meeresdurchgangs zwischen der Hauptinsel und Guidecca einzunehmen und schlug heftig Wellen. Zudem standen wahrscheinlich tausende Passagiere (ich bin nicht so gut im Schätzen) an der Reling und schauten zu, wie das Schiff einfuhr. Ich sags euch, vergessen war unser Dogenpalastbesuch! Meine Mutter wollte das Schiff unbedingt aus nächster Nähe anschauen gehen und so rannten wir ihm fast nach um mitzukriegen, wo es hinfuhr. Natürlich waren wir nicht schnell genug und verloren den Anschluss. Irgendwann war es ausser Sicht und wir völlig planlos, wo es angelegt haben könnte. Ich meine, wir schafften es tatsächlich dieses gigantische Monstrum aus den Augen zu verlieren und es nicht mehr zu finden. Als wir uns eingestehen mussten, dass wir keine Ahnung hatten machten wir uns auf etwas enttäuscht auf den Rückweg. Wir hatten eine echt lange Strecke zurückgelegt, wir waren fast am anderen Ende der Insel. Um halb zehn Uhr morgens waren wir bereits zwölf Kilometer gelaufen und fix und fertig. Deshalb gingen wir erneut zurück zum Hostel.

Es folgte eine mühsame, müde Phase. Wir wussten nicht so recht, was mit dem begonnen Tag anzufangen. Unsere Füsse taten richtig weh vom vielen Gehen und wir hatten keine Lust mehr uns fortzubewegen. Nach einer kurzen Recherche hatte ich herausgefunden, wo die Boote zu den Nachbarinseln Venedigs fahren und wir beschlossen, Burano besichtigen zu gehen. Die Nachbarsinseln von Venedig sind jeweils für ein spezielles Highlight bekannt. In Murano wird das berühmte Muranoglas hergestellt und Burano hat die leuchtendsten Häuser und ist bekannt für die Produktion von Spitze.

Das Tagesticket zum Schifffahren kostete zwanzig Euro pro Person und es war die perfekte Entscheidung gewesen, diesen Ausflug zu machen. Das merkten wir schon, als wir auf dem Schiff waren und uns das erste Mal nicht durch unsere Beine bewegten. Mir schmerzte zu diesem Zeitpunkt alles, ich war echt erledigt. Während der Fahrt liesen wir uns die Haare ins Gesicht wehen und genossen die kühle Meeresbrise. Das Schiff machte einen Zwischenstopp in Murano, wo viele Rentner mit Plastiktüten voller Muranoglas sich aufs Boot begaben. Nach etwas mehr als einer Halbstunde hatten wir Burano endlich erreicht!

Die ersten Häuser von Burano

Wir stiegen aus und es war einfach wunderplunderschön! Echt, ich hätte nicht gedacht das es mich so überwältigen würde. Jedes Haus hat eine andere, leuchtende Farbe und passende Pflanzen und Vorhänge. Burano ist nicht sonderlich gross: Touristen halten sich bei den zwei grösseren,verbundenen Kanälen auf und viel mehr gibt es auch nicht. Geht man einige Meter zwischen den Häuschen hindurch steht man schnell am Meer und am Ufer der Insel.

 

Wir machten viele Fotos und ich konnte mich gar nicht satt sehen an all den wunderschönen Farben! Ihre Kombination, das wilde Durcheinander machte sie nur noch schöner! Ich muss aber auch sagen, dass der Zerfall der Häuser sofort sichtbar war. Viele Wohnungen sind in schlechtem Zustand, zu verkaufen und wir sahen hauptsächlich ältere Bewohner (was natürlich auch an der Tageszeit gelegen haben wird).

Der Rückweg: Viel Schifffahren

In einem Restaurant tranken wir einen Eistee, guckten den anderen Touristen zu und machten uns, da Wolken aufzogen auf den Rückweg. Wir stiegen in ein Schiff und merkten bald, dass es nicht das Richtige war. Es fuhr auf alle Fälle nicht direkt nach Venedig sondern wir waren etwas mehr als eine Stunde unterwegs und sahen einiges an umliegenden Inselchen. Das war irgendwie richtig schön und passend! Wir sahen den dunklen Wolken zu, waren froh nicht unter diesen zu stehen und assen etwas Kleines.

Als wir wieder in Venedig ankamen herrschte eine wunderschöne Lichtstimmung! Mit einer Fähre umrundeten wir dann (eher unabsichtlich, wir wollten eigentlich nur den Canal Grande sehen) noch einmal die Insel.

Als wir ankamen gingen wir essen. Da es unser letzter Abend war wählten wir ein Restaurant aus welches uns aufgrund seines Gartens aufgefallen war und gingen dort essen. Leider stellte sich der hübsche Garten nur als Lockmittel heraus und wir wurden ziemlich unfreundlich abgehandelt. Meine Frage, ob die Teigwaren Eier enthalten wurde vom Chef zuerst mit einem ranzigen “Gibts ein Problem?” beantwortet. Das Essen war okay, nur die Location konnte uns gar nicht überzeugen. Wir gingen ziemlich bald schlafen, weil wir vom wunderschönen Tag mit den vielen Erlebnissen müde waren.

Trotz aller Müdigkeit: Eine Langzeitbelichtung musste noch sein!

Der letzte Tag

Am nächsten und letzten Tag standen wir früh auf, packten und gaben den Koffer an der Rezeption in der Herberge ab. Wir machten uns schnurstracks auf den Weg zum Dogenpalast. Ich bearbeitete mein Mami richtig lange, dass wir zuerst auf den Markusturm daneben stiegen. Erst als sie sich davon überzeugen konnte, dass alles vergittert war stimmte sie zu. Mit einem kleinen Lift gings schwups nach oben. Und diese Aussicht! An einem sonnigen Tag wäre es bestimmt noch schöner gewesen, aber auch schon so war der Besuch ein Highlight. Wir standen lange dort oben und blickten über die Dächer. Es war beeindruckend und wunderschön.

Zu diesem Zeitpunkt waren auf der Promenade noch richtig wenig Menschen unterwegs.

Anschliessend besuchten wir direkt den Dogenpalast, da die lange Warteschlange die Lust auf die St. Markus Kirche verdarb.

Der Dogenpalast

Der Dogenpalast kostet einiges an Eintritt: Mit meinem Schülerausweis bezahlte ich zwölf Euro, ohne einen solchen Pass ist der Eintrittspreis fast zwanzig Euro! Da wir sonst kaum Geld für Sehenswürdigkeiten aufgeworfen hatten investierten wir dieses Geld und es war gut angelegt. Die ersten Schritte führten uns direkt in den gigantischen Innenhof. Der grosse Platz mit einem Brunnen in der Mitte ist architektonisch so beeindruckend, vieles besteht aus Marmor und die Verzierungen und Skulpturen sind wahre Hingucker. Immer der Nase nach bestaunten wir die angrenzenden Räume. Bereits in den ersten Minuten wurde mir aber bewusst, wie sehr ich Hintergrundwissen vermisste: Jeder Raum ist ausgestattet mit einer spannenden Informationstafel.

Guckt euch diese Kunstwerke an! Und das war lediglich die Decke!

der prunkvollste Saal

Ich interessierte mich schon immer für Kunst und Geschichte und die geschriebenen Informationen waren mir schlicht zu wenig. Im Nachhinein würde ich einen Audioguide dazu kaufen oder mich vorgängig mit dem Dogenpalast und seiner Geschichte auseinandersetzen. So hörte ich immer mal wieder ein bisschen bei anderen Gruppen mit, welche sich führen liessen.
Im Endeffekt muss ich sagen, der Palast ist wirklich extrem beeindruckend: Alleine die prunkvollen Kunstwerke in jedem Raum sind überwältigend. Ich hatte wie zu wenig Zeit und Wissen um mich wirklich damit auseinanderzusetzen. Aber es war wunderbar ihn trotzdem zu besuchen!

Über die Seufzerbrücke gelangt man in das ehemalige Gefängnis. Das war riesig und ziemlich gruselig.

Im Anschluss zogen wir durch die Gässchen um die letzte Zeit zu vertrödeln und assen noch eine Pizza. Irgendwie habe wir an diesem letzten Tag die Orientierung immer wieder verloren, was uns vorher nicht passiert war. Das ist jetzt nicht die beste Überleitung zum super Navigations-Tool das ich auf Reisen immer benutze: Google Maps! Im Voraus lade ich die Karte des Ortes herunter und deaktiviere dann die mobilen Daten vor Abflug (schliesslich werde ich sonst arm…). Google Maps zeigt trotz der fehlenden Internetverbindung den Standort durch GPS immer noch an. Das heisst, ein Blick aufs Handy und man sieht sofort in welchem Gässchen man steht. Absolut praktisch und zuverlässig!

Umziehen in Venedig 😀

Die Reise zurück zum Flughafen machten wir mit dem Bus. Wir waren schnell am Flughafen angelangt und bereuten, dieses Transportmittel nicht schon bei unserer Hinreise verwendet zu haben. Am Flughafen verbrachte ich meine Zeit mit dem Schreiben dieses Artikels und dem Lesen einer Veggiezeitschrift. Der Flughafen Marco Polo ist überschaubar und bis auf einen Buchhandel, einen Kiosk und einigen Luxusläden gibt es nicht viel. Natürlich gibt es auch Kaffee und Essen. Dieses war jedoch nicht vegan und dementsprechend hungrig war ich beim Einsteigen in das Flugzeug. Die Heimreise verlief rasch und wir erreichten überglücklich unser Zuhause.

Das vegane Essen in Venedig

Im Voraus recherchierte ich, was es in Italien generell an veganem Essensangebot gibt. Pizza Marinara, Pasta und Sorbet wurden am meisten genannt. Vor Ort kauften wir viel in einem kleinen Supermarkt in der Nähe des Hostels ein. Dieser war wirklich klein aber führte sogar Sojajogurth! Wir kauften je einen Becher und einen Löffel, Früchte, Haferflocken und Reismilch und hatten so immer leckeres Frühstück und Zwischenmahlzeiten! Weiter ass ich unterwegs viele Bananen und Brot mit Tomatensauce aus dem Glas.

Misura-Gipfeli 🙂

Das Highlight war der Fund der Misura-Gipfeli. Es gibt sie in Natur oder mit Schokoladen- oder Aprikosenfüllung. Sie schmecken sehr ungesund, sind ultrasüss und halt richtig lecker 🙂 In den Restaurants hatte ich Pizza Marinara und Pasta mit Knoblauch und Öl. Aber Achtung: nur die trockene Pasta ist vegan! Frische Pasta wird aus Eiern hergestellt und tatsächlich habe ich einmal solche abbekommen. Ziemlich einfach dies an der Konsistenz und am Geschmack zu merken. Ärgerlich! Aber abgesehen davon ass ich hervorragend italienisches, veganes Essen! Die bekannteste, beste Eisdiele mit veganem Eis hatte ich leider verpasst, aber das habe ich erst im Nachhinein gemerkt. Es war einfacher vegan zu essen als ich es mir gedacht hätte 🙂

Die Reise war ein wahr gewordener Traum. Meine Mama und ich genossen die gemeinsame Zeit und ich bin sehr dankbar dafür!

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