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Venedig – Reisebericht (1/2)

8. Juli 2016

Vom 17. bis 20. Juni besuchte ich zusammen mit meiner Mutter Venedig. Ich hatte ihr diese Reise zum Geburtstag geschenkt und es stellte sich als traumhaft schön heraus! Mit diesem Beitrag möchte ich mich immer an die Reise zurückerinnern können und euch einen Einblick dazu geben. Weil der Bericht länger als geplant geworden ist habe ich zwei Teile daraus gemacht. In diesem Beitrag erfahrt ihr alles zur Anreise, dem Hostel und den ersten Entdeckungen am ersten Tag. Viel Spass beim Lesen 🙂

Am Freitag gleich nach der Arbeit ging es los. Im Zug ab nach Genf, wo wir viel zu früh am Abluggate waren. Also warteten wir, ich schrieb meinen Beitrag über Chuchigoals fertig und freute mich riesig auf das Wochenende! Unser Flug sollte erst spät, um 21.20 abfliegen, doch er hatte rund eine Stunde Verspätung. Das war etwas ärgerlich, aber wenn man sich auf einen Kurzurlaub freut nicht weiter schlimm.

Die Flugzeug-Kamera-Odysee

Wow, wie schön sehen die Lichter von oben aus!

Alles Notwendige war in meinem kleinen Handgepäckskoffer verstaut, sogar mein Rucksack musste und passte dort rein! Ich hatte mir vorgenommen auf dem Flug hübsche Aufnahmen der Landschaft zu machen. Weil ich mir etwas unsicher war, ob sie mich mit der Kamera um den Hals einsteigen lassen würden verstaute ich diese im Koffer. Kaum im Flugzeug wollte ich sie auspacken, was aber nicht ging – Riesenstress bei der Kabinencrew aufgrund der Verspätung, ein volles Flugzeug. Also schob ich mich rund auf der Hälfte des Fluges hervor, meine Mutter half mir den Koffer herunterzuhieven und ich breitete vor dem Klo meine Kleider aus um an das Equipment zu gelangen. Macht das nie, irgendjemand möchte bestimmt genau dann aufs Klo. Und wenns Turbulenzen gibt dann auch zum Zeitpunkt wo ihr am Boden kniet und versucht eure Habseligkeiten wieder einzusammeln. Ich bekam verwunderte Blicke der anderen Passagiere ab und schaffte es irgendwie alles wieder zu verstauen. Zurück an meinem Platz machte ich einige Aufnahmen von schönen, in der Nacht glitzernden Städten unterhalb. Der Flug war ultrakurz und nach schätzungsweise 45 Minuten landeten wir bereits wieder. Ich will noch kurz den Landeanflug erwähnen, denn der war wirklich magisch! Im Mondlicht glänzte das Meer rund um die Inseln der Lagune und hier und da liess sich ein grosser Kanal ausmachen. Geheimnisvoll und wunderschön.

Da vorne ist das Meer! Von blossem Auge war es kaum erkennbar, zum Glück konnte ich die Empfindlichkeit der Kamera hochschrauben 🙂

Die Anreise in die Stadt

Die Brücke welche Venedig mit dem Festland verbindet.

In Venedig gelandet begann der mich nervös machende Teil der Reise. Wie sollten wir vom Flughafen nach Venedig gelangen? Ich hatte mich im Vorfeld informiert, war aber trotzdem etwas unsicher. Völlig zu Unrecht, denn es gestaltete sich wirklich einfach zu den Wasserbooten und Bussen zu finden. Eine Freundin gab mir den Tipp unbedingt mit einem Wasserboot (nicht Wassertaxi, wir wollten uns ja nicht ruinieren) nach Venedig zu fahren. Tagsüber war dies bestimmt ein guter Plan, nachts um halb eins weniger: Wir warteten lange bis das Boot ablegte, zahlten doppelt so viel wie für den Bus (15€ statt 7€), fuhren ewig und sahen nichts. Ihr müsst euch vorstellen, da sitzt man wie in einem geschlossenen Deck mit Scheiben wenig über der Wasseroberfläche. Die Fensterchen waren angelaufen, im Boot war es hell und draussen stockdunkel. Dementsprechend enttäuschend unspektakulär.

Der Weg vom Anlegesteg zum Hostel war einfach. Vorgängig machte ich mir eine Wegskizze (ihr seht, ich bereite mich gerne vor) und wir folgten dieser. Alles war so viel kleiner, als ich mir gedacht habe! Auf dem Weg überquerten wir noch den Party-Platz schlechthin (Studentenviertel, Freitagabend – you know) und zwängten uns durch Betrunkene. Der Self-Checkin im Hostel Albergo Casa Perron verlief einwandfrei.

Das Hostel: Albergo Casa Perron

Ich hatte nicht nur Gutes über das Hostel gelesen. Wir suchten es uns mehrheitlich wegen dem für Venedig tiefen Preis aus und hofften einfach, dass wir mehr Glück haben würden als gewisse Rezensionen vor uns berichteten. Und wow, es war perfekt! Wir bekamen wahrscheinlich das grösste und schönste Zimmer mit eigenem Badezimmer inkl. Dusche. Einziger Nachteil in der Nacht waren die Fenster zur Gasse, denn es wurde sehr laut (die Partygänger mussten ja auch wieder nach Hause). Das Zimmer war sauber, jeden Tag bekamen wir neue Handtücher und sogar das Bett wurde gemacht. Das sympathischste war die Freundlichkeit der Besitzer! Insgesamt zahlten wir für drei Nächte und zwei Personen 400.– was für eine kurzfristige Buchung in Venedig durchaus ein guter Rahmen ist.
Auch die Lage war sehr gut. Etwas ab vom grössten Trubel waren wir doch schnell bei der Rialtobrücke (welche blöderweise gerade renoviert wird) und innerhalb einer halben Stunde gelangten wir zu Fuss zum Markusplatz.

Samstag, Tag 1

Am Samstag schliefen wir etwas länger, schliesslich waren wir erst um zwei Uhr nachts angekommen. Anschliessend packte ich meinen Rucksack mit Essen, Kamera und einem Jäckchen (man weiss ja nie) und wir machten uns auf die Socken. In den nächsten Stunden liessen wir uns einfach treiben. Wir entdeckten Venedig auf die schönste Art: zu Fuss, ohne Stress und ohne Ziel. Wir verloren natürlich etwas die Orientierung und waren erstmal verwirrt, als wir vor einem riesigen, vermeintlichen Kanal standen. Das war jedoch das Meer zwischen der „Hauptinsel“ und „La Giudecca“, einer benachbarten Insel. Die lange Promenade am Wasser entlang ist traumhaft schön! Sie wird gesäumt von vielen Cafés, Eisdielen und Restaurants. Bei einem entdeckte ich sogar, dass sie Reis-, Haselnuss-, Soya- und Mandelmilch im Angebot hatten! In dem Moment war mir gar nicht nach Kaffee und deshalb gingen wir weiter, bis nach vorne zur Spitze der Promenade. Von dort ist der Blick auf die Mündung des Canal Grande und den Markusplatz wunderbar.

gesehen an der grossen Promenade

Die Promenade

glückliches ich, ganz vorne an der Spitze 🙂

Markusplatz und Seufzerbrücke

Wir überquerten den Canal Grande und gingen zum Markusplatz. Ich hatte mir diesen komplett anders ausgemalt. In meinen Gedanken war er offen zum Meer und kleiner. In den Restaurants sass unerwarteterweise fast niemand, wahrscheinlich scheint die negative Presse sich auf das Geschäft auszuwirken. Wir überquerten den Platz, gingen um den Dogenpalast herum und hatten plötzlich Ausblick auf die Seufzerbrücke.
Die Brücke wird so genannt weil sie den Dogenpalast mit dem Gefängis verbindet. Überlieferungen nach war das Seufzen der Eingeschlossenen bis nach draussen zu hören. Im Trubel der Touristen ist von der gespenstischen Atmosphäre für mich nichts spürbar gewesen.
Allgemein ist der Touristenrummel ist hoch in Venedig. Aber dort wurde es uns zu viel und wir entfernten uns rasch.

Markusplatz

Viele, viele Touristen auf dem Weg zur Seufzerbrücke.

Sie: Superonfleek – ich: nicht so :p

Der gemütliche Nachmittag

„Spring mal so schön hoch“ – äh ja, nein. Nie mehr wieder. 😛

Auf Google Maps sah ich, dass eine spannende Häuserkonstellation nicht weit liegt und wir beschlossen uns diese anzusehen. Es stellte sich als Militärstützpunkt hervor und war beeindruckend. Mich erstaunte, dass ein relativ grosses Areal der Insel dafür verwendet wird und dieser nicht ausgelagert ist. Venedig ist nicht gross und jeder Meter wertvoll.
Weil uns zu diesem Zeitpunkt richtig die Füsse weh taten setzten wir uns in einer kleinen Cafetteria mit allerlei Gebäckstückchen hin. Wird der Kaffee an der Theke getrunken ist er übrigens um einiges günstiger! Ich fragte die Verkäuferin ob sie ein Gebäck ohne Eier, Milch, Butter etc. hätte und sie fand tatsächlich ein Bisquit. Zum veganen Essen in Venedig werde ich zu einem späteren Zeitpunkt mehr erzählen.
Nach diesem kurzen Stop kehrten wir zum Hostel zurück, assen unterwegs noch ein Eis und ich kaufte mir ein T-Shirt. Zudem sah ich das absolut herzigste Schüsselchen, aber leider war der Laden zu.
Wir erledigten noch einige Einkäufe, assen dann was kleines und ruhten uns aus. Wie geplant gingen wir kurz vor Sonnenuntergang wieder in die Stadt. Ich wollte einige Langzeitbelichtungen machen, schliesslich ist Venedig wirklich wunderschön und ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Meine Mutter hatte die Idee, den Markusplatz noch bei Nacht anschauen zu gehen. Erst war ich etwas mürrisch über den erneuten weiten Fussweg (ja, eine halbe Stunde fühlt sich nach 25’000 Schritten nach viel an) aber als wir ankamen war ich hin und weg!

Der Blick von der Rialtobrücke

 

Acqua Alta auf dem Markusplatz

Das war für mich eines der speziellsten Erlebnisse. Acqua Alta ist das alljärhlich wiederkehrende Hochwasser in Venedig. Es tritt meistens im Winter auf und die Flut wird durch einen niedrigen Luftdruck mehr in die Lagune gedrückt und es ist abhängig von der Mond-Erde-Konstellation. Ich habe den Tipp via Twitter bekommen, dass es sich dabei um dieses Phänomen handelt, ich bin mir aber nicht ganz sicher. Schliesslich war Ende Juni und der Zeitpunkt damit vorbei? Eigentlich egal, denn es war einfach faszinierend, wie der Markusplatz plötzlich fast knietief unter Wasser stand.
Die Lichter spiegeln sich im Wasser, Erwachsene stehen gebannt am Wasser und sehen zu wie es schnell näher an ihre Füsse rückt. Wir waren genau zum richtigen Zeitpunkt dort, denn eine halbe Stunde später war der Höhepunkt erreicht und das Meer zog sich wieder zurück.

Der zweite Teil erscheint in ein paar Tagen. Er erzählt euch alles zu einem viel zu frühen Sonnenaufgang, einem Kreuzfahrtschiff, dass uns aus dem Konzept brachte, der Insel Burano (hach!) und dem letzten Tag mit dem Besuch des Dogenpalasts. Ausserdem verrate ich euch meinen Tipp zur Orientierung.
Ich hoffe, es hat euch bis hierher gefallen! 🙂

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