intentional living Nachhaltig konsumieren

Pingusocke und Nähnadel

29. Mai 2016

Während ich heute meine frische Wäsche zusammenlegte fasste ich einen kleinen Entschluss. Stattdessen die Kleidungsstücke mit Löchern wieder in den Schrank zu räumen und sie komplett kaputt gehen zu lassen wollte ich sie flicken.
Die Jeans mag ja wirklich günstig gewesen sein, aber deswegen ist eine neue trotzdem teurer als die alte wieder in Stand zu setzten. Und nachhaltig ist wegwerfen nun ja auch nicht besonders.

Deshalb stelle ich euch jetzt heute meine beiden Lieblingssockenpaare und eine Jeans von mir vor! Willkommen.

Da liegen sie nun also vor mir: die Pingusocke hat ein Loch beim Zeh, die Blümchensocke einen Krater am Fussballen und die Jeans ist dort kaputt, wo sie immer kaputt gehen: Natürlich im Schritt. Unangenehm und wirklich blöd!
Die Locharten scheinen nicht so kompliziert zu sein, wäre ja nicht so als hätte ich noch nie etwas geflickt. Nur bei der Jeans bin ich ratlos. Wie soll ich das bloss machen, damit ich sie anschliessend auch noch beruhigt anziehen kann ohne mich zu schämen? Ich möchte ja nicht, das gleich jeder denkt ‚oh-oh‘. Also, was auch sonst, beginne ich zu googeln. die Resultate haben eins gemeinsam; sie sind kompliziert und schauen am Ende eher so semi aus. Und für dieses Jeans-Loch soll ich eine Nähmaschine hervorgrübeln? Den Zick-Zack Stich bekomme ich auch von Hand hin! Weshalb die Tutorials immer farblich nicht passenden Faden verwenden ist mir ein Rätsel. So schrecklich! Ich bin nicht so ganz überzeugt und beginne deshalb einfach. Kann ja nicht so schwer sein.

Das ist ‚meine‘ Ausrüstung. Zum Glück hat meine Familie sowas 🙂 Das komische Ei habe ich immer bei meiner Grossmutter gesehen. Für was sie es genau verwendet hat weiss ich nicht mehr, aber mir scheint es ganz nützlich zu sein. Und damit fühle ich mich auch gleich viel professioneller 😀

 Blümchensocken, Jeans und Pingusocken (jöh). Dann ganz viele Fäden, das wunderschöne Stecknadelkissen, dass ich meiner Mama mal genäht habe, das Ei-förmige Ding und wo die Professionalität aufhört: Bei der Küchenschere.

Ich beginne bei der Pingusocke. Das Loch scheint mir am einfachsten zu flicken zu sein. Diese Socken liebe ich wirklich. Ich meine, wie süss können Socken bloss sein? Leider hat sie das Tanzen auf nassem Teppichboden an Silvester etwas mitgenommen und die eine Socke in einmal in eine farbige Wäsche gekommen. Ups.
Zuerst nähe ich einmal kreuz und quer nach rechts und dann wieder zurück. Solange, bis ich kein Ei mehr darunter sehe. Das Ding ist also ganz praktisch 🙂 Die Wulst die es gibt ist etwas unschön, ich lerne dazu: Besser umdrehen!

Kleider flicken

Pingu mit Ei im Bauch

Kleider flicken

Dann die Blümchensocke. Das könnte etwas schwieriger werden, das Loch ist wirklich gigantisch. Und irgendwie ist das Gewebe ringsherum auch nicht mehr ganz so fit und straff. Zuerst drehe ich sie um und gebe das Ei hinzu. Ich nähe erstmal alles grob zu und mache dann ein paar kleinere Stiche um die Naht zu verdichten. Ab und zu mache ich einen kleinen Knoten. Hält sicher besser! Am Schluss steche ich noch etwas links und rechts um den Stoff ein bisschen zu verdichten. Keine Ahnung, ob das was bringt. Ich hoffe jetzt, dass die Socke trotz der Naht noch bequem sein wird!
Sie muss es, ich habe das Paar einmal in einem kleinen Fairtrade Laden in Palma de Mallorca gekauft und es sind sofort meine Glückssocken geworden 🙂

Nun zu der Jeans. Die Anleitungen waren kompliziert und ich nähe drauflos. Hin und her, vor und wieder zurück. Solange, bis das Loch zu ist und das ganze sich fest genug anfühlt. Einmal nähe ich das untere Hosenbein an – ups. Da bräuchte ich ein riesiges Ei, also halte ich meine Hand unter den Stoff. Von da an klappts ganz gut 🙂 Beim Umdrehen muss ich feststellen, dass das jetzt auch nur so semi-schick geworden ist. Aber wenigstens passt die Farbe einigermassen und das Loch ist zu.

Kleider flicken Kleider flicken

Das Flicken heute zeigte mir wieder einmal: Es ist nicht schwer und es erfordert nicht viel Zeit. Und am Ende fühle ich mich, als hätte ich neue Kleider. Nur besser, weils ja schon meine Lieblingskleidungsstücke sind 🙂 Nur weil sie nicht teuer waren mussten trotzdem Ressourcen aufgewendet werden. Das beginnt beim Stoff, geht weiter zu den Näherinnen in Bangladesch und endet nicht zuletzt beim langen Transportweg. Wenn ich mich schon unwohl fühle, Kleidungsstücke mit einem solch schlimmen Hintergrund zu haben, dann kann ich sie wenigstens pflegen. So schiebe ich einem Multimilliardenkonzern nicht erneut Geld in den Allerwertesten (ja, ich wollte Arsch schreiben. Aber das ist hier öffentlich und so).
Das Kaufen nachhaltiger Kleider steht definitiv auf meiner To Do Liste. Aber irgendwo muss ich einen Anfang machen. Und der war heute bei der Nähnadel.

Kleider flicken

Update 30. Mai 2016: Heute habe ich die Hose direkt voller Stolz getragen. Um 17 Uhr musste ich feststellen, dass das Loch wieder da war. Nur einen halben Zentimeter unter meiner bombenfesten Naht. Und die Blümchensocke ist leider auch nicht ganz das wahre geworden; die Naht drückt zu sehr, als dass das Tragen noch angenehm wäre. 
Doch, bin ich jetzt weniger zufrieden? Ein bisschen vielleicht – aber der Stolz es versucht zu haben ist gross. Und hey, das nächste Mal klappts bestimmt!

 

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