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Mein vollendetes Sommerprojekt

5. September 2016

Zu Beginn des Sommers legte ich fest: Ich wollte einmal meinen Arbeitsweg zu Fuss zurücklegen. Einma nach Hause laufen statt den öffentlichen Verkehr zu nehmen oder Auto zu fahren. Wie früher, als die Schule nicht weiter als zehn Minuten von Zuhause entfernt lag und ich jeden Morgen hin und nachmittags zurück lief.

Hin und zurück, das ist doch gerade etwas weit. Aber einmal von Bern nach Thun laufen, das geht schon. Anfang Sommer machte ich mir diese Unternehmung zum Vorsatz. Ein Bizeli Spannung sozusagen, mich selbst herausfordern. Anfang dieser Woche musste ich erstaunt feststellen, dass der Sommer sehr bald vorbei sein wird und dass die Tage bereits merklich kürzer werden. Also reservierte ich mir schleunigst den Donnerstagabend und hoffte auf gutes Wetter.
Da hatte ich noch keine konkreten Pläne. Ich wusste lediglich, dass ich alles der Aare entlang gehen möchte.

Das Ziel meines Sommerprojekts 2016

  1. Den Weg zurück legen
  2. Wie sieht diese Strecke aus? Ein Stückli Heimat kennenlernen
  3. Die Herausforderung annehmen

Am Mittwochabend suchte ich im Internet nach Weginformationen. Ich fand einige spärliche Beiträge und einen kleinen Wanderbericht. Anhand dieser und der Google Maps Route konnte ich auf eine ungefähre Gehzeit von sieben Stunden schliessen. Kilometermässig hatte ich zwischen 28 und 32 Kilometer zurückzulegen. Hui, da wurde mir mein Unterfangen doch etwas bange. Ich suchte mir Unterstützung. Abends alleine an der Aare unterwegs sein wollte ich nicht.
Als erstes fragte ich Manu direkt, ob er Lust und Zeit hat mitzukommen. Er konnte mir die Frage noch nicht mit Ja beantworten. Ich schrieb meinen Freunden und musste merken, dass ich zu kurzfristig fragte.

Am Donnerstagmorgen vergass ich meine Regenjacke, war müde und kaufte Proviant. Für einmal nahm ich das Tram zur Arbeit (da hab ich richtig Kräfte geschont, wow!)
Am Donnerstagmittag war ich nervös und zweifelte: Was, wenn es nicht klappt? Meine Füsse schmerzten schon beim Gedanken an mein Vorhaben. Am Donnerstag um drei Uhr, eine Stunde vor meinem geplanten Start sagte mir Manuel zu mitzukommen! Glücksmoment 🙂

Um 15:45 ging es los.

Während dem ersten Streckenabschnitt begegneten wir vielen Badenden, Velofahrern und Böötlern. Bald gelangten wir in das Naturschutzgebiet um die Gürbemündung. Dieses Gebiet wurde renaturiert und ist wunderschön zum Spazieren. Es gibt Fischreiher und mir unbekannte, schöne Pflanzen zu sehen. Die Natur hat dort Platz um zu wachsen wie sie möchte.
Weiter ging’s in Richtung Rubigen. Die Brücke über die Aare in Richtung Belp war unser nächstes Ziel. An diesem Punkt hatte ich Hunger und meine Füsse taten bereits etwas weh. Wir machten eine kurze Pause und wurden dabei von tausend Mücken zerstochen. So assen wir dann schliesslich im Gehen unser Hummus-Avocadobrot.
Ich muss zugeben, dass ich an dieser Stelle ziemlich entmutigt war. Wir hatten so lange gebraucht um bis zu der Brücke zu gelangen. Viel länger, als ich mir das ausgemalt hatte.

Der Streckenabschnitt von Rubigen bis Münsingen zog sich ebenfalls in die Länge (wie so eigentlich die ganze Strecke). Er war aber wunderschön und hat mir mit am besten gefallen! Das Aareufer ist gesäumt von kleinen Buchten und auf der rechten Seite des Weges hat es im Dickicht kleine Tümpel. Diese lassen sich nur teilweise erspähen, da das Gebiet so dicht bewachsen ist.
Wir gingen eine Weile zügig und erreichten Münsingen. Ich war superduper happy und dachte, dass wir nun die Hälfte hinter uns hätten. Der Wegweiser bewies uns leider das Gegenteil. Den effektiven Mittelpunkt der Wanderung erreichten wir schliesslich in der Nähe von Wichtrach, also doch noch einiges weiter.
Dieser Abschnitt ist meiner Ansicht nach nicht besonders sehenswert. Die Autobahn verläuft nahe der Aare und somit ist an stilles Wandern in der Natur nicht zu denken. Persönlich fand ich es interessant, die Autos von nahem zu betrachten und unser Tempo mit ihrem zu messen (also nicht, dass das irgendwie ein Rennen war 🙂 ). Ein Autobahnschild bewies mir beispielsweise, wie viel länger ich zu Fuss brauche um 1100 Meter bis zur Ausfahrt zurückzulegen.

Wunderhübsch, zwischen Rubigen und Münsingen 🙂

Noch 4 Stunden, endlich mehr als die Hälfte!

Das Tageslicht verabschiedet sich langsam

Dennoch verging die Zeit wie im Flug. Wir hatten ein gutes Tempo, lustige Musik und ich war die meiste Zeit zuversichtlich. Alles was dann aber nach Wichtrach kam war richtig richtig richtig hart. Von allem der schwierigste Teil!
Stell dir vor: Der Schmerz in den Füssen ist nicht mehr zu ignorieren, irgendwann mochte ich nicht mehr plaudern und es gab nichts zu sehen ausser unverändertes Grün. Zudem wurde es langsam dunkel. Vor Uttigen liegt eine grössere Ebene und wir waren froh, dem Wald auszuweichen. So begegneten wir einem Postboten, welcher gestresst noch letzte Briefe zu verteilen schien (es war halb neun Uhr abends?) und friedlich grasenden Pferden (das war so schön anzusehen!).
Wir legten ein letztes Stück des Weges im dunklen Wald zurück. Natürlich hatte ich nicht an eine Taschenlampe gedacht – zum Glück bieten Handys mittlerweile auch genügend Licht. Nichtsdestotrotz wurde es uns im Wald zu unangenehm. Deshalb änderten wir unsere Route und nahmen den Weg über Heimberg. Das war etwas enttäuschend, da wir an dieser Stelle endlich den Pfad gekannt hätten!

Zufällig trafen wir in Heimberg auf Freunde, die (ebenfalls) auf dem Heimweg waren. Das war richtig schön und aufbauend 🙂
Irgendwann um halb zehn Uhr abends zog sich Manuel die Schuhe aus, ich klebte ein paar neue Pflaster auf und weiter gings. Der Heimweg war nicht mehr weit aber zog sich sehr in die Länge! Es war hart, an dieser Stelle nicht aufzugeben und den Bus zu nehmen.

Als wir dann endlich das Thuner Ortsschild erreichten, waren wir wahrscheinlich die stolzesten und müdesten Menschen! Wisst ihr, dass war das Schönste am ganzen Sommerprojekt. Mein Ziel erreicht zu haben! Mindestens genau so schön war es, dies mit der besten Begleitung auf der Welt zu schaffen. Ein grosses Danke an Manu!!
Ein grosses Danke geht auch an Natalina. Sie hat mir im letzten halben Jahr gezeigt, dass alles möglich ist – wenn man es nur genügend will. Meine grösste Motivation und ich weiss nicht, ob ich mich ohne sie getraut hätte mir so ein Vorhaben aufzuhalsen 🙂

shitty but proud selfie

Auch wenn mich Menschen auf den sozialen Netzwerken wissen liessen, dass sie das auch schon gemacht haben: Es war für mich trotzdem eine grosse Sache. Schliesslich geht es darum zu was ich mich motivieren kann, wo ich über meine Grenzen hinausgehe. Und diese liegen nunmal bei jeder Person anders 🙂

Danke fürs Lesen und Kommentieren ihr Lieben <3

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2 Comments

  • Reply Krisi 6. September 2016 at 15:08

    Eine lustige Idee und toll das ihr / Du sie geschafft habt!Klingt wirklich anstrengend, dass freut einen dann danach um so mehr=)
    Liebe grüsse,
    Krisi

    • Reply Pascale 7. September 2016 at 15:27

      Liebe Krisi, vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂 Es war in der Tat sehr anstrengend aber es hat sich wirklich umso mehr gelohnt 🙂

      Liebe Grüsse, Pascale

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