Gedanken Selbstliebe

Mein Körper, meine Grenzen

9. Juni 2016

Meine Lieben

Gestern ist mir etwas passiert, dass mich so wütend gemacht hat. Es war ein kleiner Vorfall, manche würden sagen nicht der Rede wert – aber mich hat es getroffen. Ich thematisiere dies, da über körperliche und sexuelle Belästigung nicht geschwiegen werden darf.

Alle Frauen werden die Situation kennen, dass in Menschenmassen die Hände manchmal nicht dort bleiben wo sie sollten. Wir lernen es zu ignorieren, kannst ja nichts dagegen tun. Aber gestern war es anders. Persönlicher. Gezielter.

Ich war gerade erst am Greenfield angekommen. Die dunklen Wolken zeichneten deutlich baldige Regengüsse ab. Mir fröstelte, es war kühl geworden. Ich stellte zwischen den Zelten am Wegrand meinen Rucksack ab. Öffnete ihn, war gerade dabei meine Regenjacke und Kamera hervorzunehmen. In diesem Moment spürte ich eine Hand auf meinem Hintern. Ein vorbeigehender Typ nahm sich das Recht heraus, mich zu berühren. Mir einen heftigen Klaps zu geben. Weil er es konnte, einfach so. Und so als wäre nichts gewesen ging er weiter. Ohne sich überhaupt umzudrehen. Als wäre es das Normalste auf der Welt.
Ich konnte es in dem Moment nicht fassen. Ich erschrak und wurde wütend. Drehte mich um und schrie dem Typ alle Schande nach. Ich bin kein Mensch der schweigt, wenn etwas Unrechts passiert.

Ich fühlte mich degradiert. Blossgestellt. War fassungslos.

Die Szene wurde von einigen Menschen beobachtet welche genau daneben sassen oder vorbeigingen. Und sie kümmerten sich nicht oder schauten genauso erschrocken. Bewegungslos.
Ich hatte meinen Rucksack mit dem gesamten Kameraequipment offen auf der Strasse liegen. Sonst wäre ich ihm nachgegangen und hätte ihn zur Rede gestellt. Ihm gesagt, wie armselig sein Verhalten ist. An einem Festival ist es leicht in der Menge unterzutauchen, sich ohne Grenzen und Anstand zu verhalten. Bis zu einem gewissen Punkt ist das auch akzeptabel. Aber: Niemand hat das Recht mich so zu behandeln. Nicht an einem Festival, nicht in einem Club, nie. Ich sage, wann und wie ich berührt werden darf. Es ist mein Körper und ich stecke die Grenzen.

Wir leben im Jahr 2016 in der Schweiz und ich habe die gleichen Rechte wie du, der diesen Beitrag liest. Auch wenn ich eine Frau bin.  

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