Gedanken Selbstliebe

Manchmal weiss das Herz besser was für den Kopf gut ist

10. Juli 2016

Es ist viertel vor zehn, Sonntagabend.
Ich wollte heute einen Blogpost verfassen über Weiblichkeit. Analysieren, weshalb es mir peinlich ist, Tampons und Binden zu kaufen. Oder über die Gutherzigkeit von Menschen sprechen. Einsamkeit thematisieren. Aber es ging nicht. Zu flüchtig sind Einfälle, zu hin- und hergerissen die Argumente.
Ich möchte meine Gedanken formulieren, doch sie springen mir davon bevor ich sie geschrieben habe. Sie sind beim nächsten Satz oder Thema, bevor ich mich auf eine Formulierung einlassen kann. Das Spielen mit Worten fällt mir schwer. Sie sind wie ein Federball, vom Winde verweht und unerreichbar. Die ganze Woche ergeht es mir so, deswegen fehlen geplante Texte auf diesem Blog.

Der heutige Sonntag war ursprünglich als purer Entspannungstag geplant. Dieser eine, tolle Text wollte ich schreiben. Doch es haben sich im Lauf der Woche viele Verpflichtungen gemeldet. Und natürlich Wünsche: ich wollte backen, schöne Foodfotos machen und Venedigbilder bearbeiten. Meinen freien Tag mit schönen Dingen füllen. 
So kommt es, dass ich mit zwei gegensätzlichen Plänen in den Tag gestartet bin. Einerseits nichts-tun, erholen und andererseits möglichst viele Erledigungen machen. Mails beantworten, aufräumen, Equipment säubern, Bilder schicken, Portfolio updaten.
Das konnte nicht gut gehen, denn einer der zwei Pläne musste zwangsläufig unerfüllt bleiben.

Es ist nun Abend, ich sitze im Liegestuhl draussen und lasse mir die kühle Brise um die Nase wehen. Es ist ein Genuss, nach der Hitze dieses Tages. Ich habe soeben Beeren im Garten abgelesen und fühle mich jetzt bereit einige Zeilen zu schreiben.

Heute, da hat mein Herz über meinen Kopf entschieden. Es ausgenutzt, dass die Minuten nicht genau geplant waren. Das realisiere ich jetzt.
So genoss ich wunderbare Stunden nach dem Aufstehen mit meinem Freund. Schwamm im See und akzeptierte dabei meinen Körper mehr als in den letzten Wochen. War ungeschminkt und ungekämmt, müde aber vor allem sehr, sehr glücklich. Zuhause nahm ich mir ein einfaches Buch aus dem Regal und begann in der Sonne zu lesen. Sonne tanken und mich von einer Geschichte einlullen lassen. Dabei ging die Zeit vergessen, die Uhr tickte und nur wegen meines Hungergefühls verschlug es mich in die Küche. Und dort stand ich dann mehrere Stunden, schnippelte Gemüse, plante mein Essen um kein Gemüse kaputt gehen zu lassen. Dabei waren meine Gedanken wieder bei „was ich alles noch tun sollte“. Wie vor dem Lesen. Aber nach einer Weile, spätestens beim Fotografieren der Browniezutaten, beim Rühren und die Form ausschlecken, war ich wieder ganz bei mir und dem was ich machte.

Und vorhin habe ich Beeren gepflückt. In den letzten Tagen sind die Büsche förmlich explodiert und es gab einiges an Arbeit. Währenddessen färbte sich der Himmel orange und dann rot, das EM-Final wurde angepfiffen und es störte mich kein bisschen. Alleine im Garten mit einer Unmenge an leckeren Früchten. Die Gedanken standen plötzlich still. Ich fokussierte mich auf das, was ich gerade tat. Einer der Pläne für den heutigen Tag ging auf und es war der schönere der beiden. Mein Bauch und mein Herz entschieden heute eins ums andere für das, was mein Kopf brauchte: Ruhe und Zeit für schöne Dinge.

Es wurde ein wunderschöner Tag. Jetzt gehe ich schlafen, denn morgen will ich fit sein. Dann kann ich immer noch alle Erledigungen machen. 

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