Gedanken

Das Aufbrechen der mentalen Trennung zwischen Freizeit und Alltag bedeutet Freiheit

19. Oktober 2016

Freiheit

Wieso fühlt sich nach dem Ende einer schönen Ferienzeit die Rückkehr zum Alltag bedrückend an? Es liegt an unserer Einstellung und diese können wir ändern. 

Mit jedem Tag wo die Ferien näher rücken wird meine Vorfreude auf den Abflug grösser. Es ist nicht nur meine Lust Neues zu entdecken und die Welt zu erkunden: Der grössere Anteil macht der Gedanke aus, meinem Alltag entfliehen zu können.

Dann ist es endlich, nach langem sich sehnen soweit. Die Tage fühlen sich für mich unwirklich an, nicht zum Greifen. Alles was ich erlebe scheint bereits ein Stückchen meiner Erinnerung zu sein. Das ersehnte Freiheitsgefühl ist zwar endlich da, doch es fühlt sich nicht echt an. Zu sehr zähle ich die verbleibenden Tage.

Schnell, noch schneller als erwartet ist die Zeit vorbei. Im Flieger zurück holen mich die gewöhnlichen Alltagsgedanken wieder ein. Es bleiben mir die letzten Stunden des letzten Ferientages und ich versuche sie voll auszuschöpfen, dabei verdränge ich die eintönigen, deprimierenden Gedanken.

Am nächsten Tag ist es an der Zeit, der Countdown ist abgelaufen. Es geht weiter, zurück in den Alltag.

Die Mailbox ist voll.
Ich finde keine Zeit zum Schreiben.
Das Loch in der Hose ist immer noch da.
Die Züge morgens und abends wirken voller.
Die Menschen grimmiger, die Strukturen schwieriger.

Wieso wünschen wir uns gegenseitig einen guten Start in den Alltag, ermuntern uns, dass die nächsten Ferien bald vor der Türe stehen werden? Das es dieses Mal nicht so lange dauern wird?

Das macht mich traurig. Es kann doch nicht sein, dass wir unseren Alltag als Belastung ansehen!

Denn er ist dass, was er eben ist: Die alltäglichen Vorkommnisse in der alltäglichen Umgebung. Und damit ziemlich direkt unser Leben. Der Alltag hat nicht negativ zu sein. Er kann spannend, bereichernd, erfüllend sein und uns immer wieder überraschen. Wir sind im Leben zu kaum etwas verpflichtet und somit selbst verantwortlich, wie wir es gestalten.

Die volle Mailbox ist schneller abgearbeitet, als gedacht.
Die Zeit zum Schreiben nehme ich mir.
Das Loch in der Hose kann ich flicken.
Die Züge waren schon immer voll und auch an den Menschen und Strukturen hat sich nichts geändert.

Ich mag zwar die Glücksgefühle und Ruhe mitgenommen haben – aber das heisst nicht, dass alles um mich herum schlechter geworden ist.
Ich nehme das Lächeln aus der Ferne mit in den Alltag. Versuche, die Freundlichkeit der Schotten zu kopieren. Dieselbe Leichtigkeit, das gleiche Freiheitsgefühl verspüren: Aber dieses Mal soll es sich echt und unendlich anfühlen. Es gibt keine Tage zu zählen.
Ich will die scharfe, gedankliche Trennung zwischen Freizeit, Freiheit, Ferienzeit und dem Alltag aufbrechen. Mein Leben ist ein grosses Gesamtes, mit all seinen Vorkommnissen. Und in diesem Leben gibt es zwar schöne und weniger spannende Momente – aber es ist erlebenswert, an jedem einzelnen Tag.

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2 Comments

  • Reply Ali 29. Oktober 2016 at 9:16

    Wie wahr dein Eintrag ist, so schwierig ist er leider umzusetzen.
    Auch wenn es zum Glück nicht unmöglich ist.

    Aus einem Buch von Dale Carnegie:
    "Jeder Mensch sucht nach dem Glück und es gibt einen sicheren Weg es zu finden: Man muss seine Gedanken kontrollieren. Glück hängt nicht von äusseren Umständen ab, sondern von unserem inneren Zustand.
    Nichts was wir haben, oder was wir sind, oder wo wir sind, oder was wir tun; macht und glücklich oder unglücklich. Sondern wie wir uns dazu stellen"

    Oder aus Shakespare’s Hamlet : "…denn an sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu"

    Ich mag deinen Blog und lese schon länger bei Gelegenheit mit. Mach weiter so und wenn du weitere Erfahrungen und Tipps damit gesammelt hast, lass es uns wissen 🙂

    Ali

    • Reply Pascale 30. Oktober 2016 at 12:14

      Liebe Ali

      Vielen Dank für diesen schönen Kommentar! Diese Zitate beweisen doch, dass es eben an uns selbst ist, diese Barrieren zu durchbrechen. Dadurch, dass wir sie uns selbst setzen, haben wir glücklicherweise auch einen Einfluss auf sie 🙂

      Es freut mich so sehr zu hören, dass du meinen Blog liest!

      Alles Liebe
      Pascale

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