Slow Living

Brauche ich eine Bucketlist?

30. Mai 2016

Heute habe ich Blumen gepflückt auf einem „Blumen zum selber schneiden Feld“. Und anschliessend ist mir bewusst geworden, dass ich das schon immer mal machen wollte.

Immer als Kind ist meine Familie an diesen Feldern vorbeigefahren. Ich hinten, habe im Sommer durch die nur halb heruntergelassene Scheibe gelinst um einen Blick zu erhaschen. Farbkleckse in der Landschaft. Gepflegt. Mit einem faszinierenden, bombenfesten Kässeli. Wo man nie weiss, wie viel drin ist. Ältere Frauen, die ihren Korb füllen und anschliessend Kleingeld hervorkramen. Zu gerne wäre ich als Kind durch die Beete gestreift, hätte die Blumen angefasst und einen riesengrossen Strauss gepflückt. Aber sobald wir mit dem Auto vorbeifuhren war die Magie vorbei. Zum Glück tauchte sie wenig später schon wieder an einer anderen Stelle auf.

Früher gab es diese Felder mehr als heutzutage. Gerade in Thun stehen jetzt an diesen Stellen Sporthallen und Weideacker. Das macht mich immer etwas traurig. Gerade erst suchte ich für ein Filmprojekt ein solches Feld in der Umgebung und musste ernüchtert aufgeben. Vielleicht war deshalb heute meine Begeisterung umso grösser als wir in Münsingen vorbeifuhren. Und es sogar schöne Blumen zum Pflücken hatte! Schwups, bei dubioser Tankstelle gewendet. Zurückgefahren, ausgestiegen, Portemonnaie gecheckt (für einmal hatte ich sogar Bargeld mit), Schere geschnappt.

Fünf Margeriten und eine Pfingstrose gepflückt. Glücklich gefühlt.

Mir ist schleierhaft, weshalb ich das bislang noch nie gemacht habe. Vielleicht fehlte der passende Moment mit den passenden Menschen. Auf der restlichen Fahrt nach Hause wurde mir klar, dass das ein kleiner Punkt auf meiner Bucket-List war, hätte ich denn eine. Ich hake gerne Dinge ab, aber ich weiss nicht ob es sich bei Lebenszielen ebenso gut anfühlt, dies zu tun. Schliesslich doch was anderes als bei einer To-Do Liste. Wichtiger, imposanter. Und irgendwie traurig, weils erledigt ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine solche Liste haben möchte. Habe kein Bedürfnis, meine Ziele nacheinander erledigt zu sehen. Ich will leben, geniessen, ohne mir ständig dem Zeitfaktor bewusst zu sein.
Klar, so eine Liste lässt sich ständig erweitern. Aber ich möchte keinen Druck verspüren bei Bucketlistpunkten. Ich lebe nur einmal. Und wenns mich morgen litzt, dann bringts mir auch nichts, wenn ich mein Leben bis dahin vollgequetscht habe mit Erlebnissen. Von hier nach da gehetzt bin. Ich bin der Überzeugung, dass erst die Rarität der Momente und ihr Abstand zueinander sie so wertvoll erscheinen lässt. 

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