slow travel Travel Diaries

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

16. August 2016

An schönen Tagen präsentieren sich Eiger, Mönch und Jungfrau wunderbar bei meiner Sicht aus dem Wohnzimmerfenster. Immer wieder begegne ich Werbung für den Besuch des Jungfraujochs und doch brauchte es einundzwanzig Jahre, bis ich mich in den Zug setzte.

In meiner Familie und meinem Freundeskreis kenne ich niemanden, der schon einmal oben war und ich wurde dementsprechend über das Erlebnis ausgefragt. Deshalb habe ich beschlossen, den Besuch des «Top of Europe» in einen Reisebericht zu verpacken. Vielleicht interessiert es euch ja auch 🙂

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Es zählt zum Höhepunkt vieler Schweizerreisen: Das Jungfraujoch. Mit dem höchsten Bahnhof Europas (auf 3454 Meter über Meer gelegen) ist es das wahre Touristenmagnet. Mit den umliegenden Regionen gehört die Jungfrau und der Aletschgletscher seit 2001 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Zahlreiche Male stand ich bereits auf der kleinen Scheidegg und beobachtete die vollen, abfahrenden Zugwaggons in Richtung Berge. Und immer wunderte ich mich etwas: Wie sieht es dort oben, so nahe von Zuhause, wohl aus? Die Tickets sind saftig teuer, versprechen wird einem das Erlebnis einer hochalpinen Wunderwelt und den Blick auf den Aletschgletscher und Konkordiaplatz.

Das Jungfraujoch wurde 1912 von den Jungfraubahnen erschlossen und ist der tiefste Punkt des Verbindungsgrat zwischen dem Mönch und der Jungfrau. Von den Aussichtsplattformen aus sieht man einige Viertausender der Berner Alpen, darunter natürlich die benachbarten Eiger und Mönch. Den höchsten Punkt erreicht man beim Besuch durch die Plattform «Sphinx». Die kleine Spitze beherbergt nebst der Plattform ein wissenschaftliches Labor, die Endstation der Jungfraubahn und den schnellsten Lift der Schweiz. Es gibt auf der ganzen Anlage keine Übernachtungsmöglichkeit (ausser man ist Professor und forscht), die nächste Herberge befindet sich bei der Mönchshütte. Dorthin führt ein präparierter Weg, welchen wir allerdings nicht begangen haben.

Beim Besuch des Jungfraujochs ist für jedes Wohl gesorgt: Mehrere Restaurants und Attraktionen werden in der Broschüre angepriesen. Da gibt es einerseits den Eispalast, diverse Ausstellungen und ein Postbüro mit einer eigenen Postleitzahl (3801 – wer schreibt dorthin einen Brief?) Die ganze Anlage wird durch Sonnenwärme betrieben, was ich herausstehend finde! Gerade in Angesicht dessen, dass die Jahrestemperatur von -37° bis +12° schwankt umso mehr.

Der Besuch des Jungfraujoch – Top of Europe

Die Anreise

Doch wie war es nun, das alles (bis auf die Temperaturschwankung) selbst zu erleben? Manuel hatte die Tickets gekriegt, da er als Pressefotograf unterwegs war und jemanden mitnehmen durfte. Lucky me, das sparte mir tatsächlich viel Geld (ca. 200.–!)

Ich freute mich unglaublich auf den Besuch und konnte in der Nacht vorher kaum schlafen. Frühmorgens, kurz vor halb acht stiegen wir in den Zug in Richtung Interlaken und genossen die Fahrt ins Oberland. Es lohnt sich übrigens, in der Fahrtrichtung links am Fenster zu sitzen um am meisten von der Aussicht über den Thunersee mitzubekommen. In Interlaken holten wir die Tickets ab und fuhren über Grindelwald auf die kleine Scheidegg. Das Zugspersonal empfand ich als äusserst unfreundlich! Auf der Kleinen Scheidegg mussten wir umsteigen: Als Passagiere mit reservierten Sitzplätzen hatten wir uns an einem anderen Ort anzustellen. Das klappte ganz gut, bis auf das in unseren Zug zusätzliche Passagiere geladen wurden. Daraufhin wurde es eng und die Platzordnung war nicht mehr klar.Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Die beste Aussicht an der Haltestelle

Die Fahrt führt durch einen Stollen in Eiger und Mönch und wird von zwei Stopps unterbrochen. Bei beiden kann ausgestiegen und im Optimalfall die Bergwelt bestaunt werden. Der erste Halt wird nach wenigen Minuten Fahrt an der Eigerwand gemacht. Der Stollen ist sehr gut ausgearbeitet und es hat sogar Toiletten! Das Highlight wäre die Aussicht aus den grossen Fenstern welche uns jedoch verwehrt blieb. Wir steckten mitten in den Wolken. Schade!  Weiter ging es zur nächsten Haltestelle, genannt «Eismeer».

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Das Eismeer

Unterwegs hatten wir eine kleinen Zusammenstoss mit einem wütenden Franzosen. Dies führte aber dazu, dass wir drei Lehrerinnen aus Südkorea kennenlernten und mit ihnen plauderten. Es war ein so schöner Austausch! Und sofort ist das Land in meine «Will ich besuchen-Liste» gerutscht. Dieses Erlebnis, sich mit Menschen von einem so anderen Erdteil auszutauschen und ihre Herzlichkeit und Freundlichkeit zu spüren war wunderschön. An der Eigerwand stiegen wir dann wieder aus und hier hatten wir mehr Glück: Die Aussicht auf das Eis ist sehr schön und wir sahen sogar eine Lawine! Der letzte Teil der Zugfahrt verging schnell.

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Oben angekommen

Auf dem Jungfraujoch angekommen war es für uns schwierig, trotz des erhaltenen Prospektes einen Überblick über die Anlage zu gewinnen. Sie ist verschachtelt und erstreckt sich über mehrere Stockwerke und Plattformen. Wir gingen alles der Nase nach und gelangten nach kurzer Zeit und einer schnellen Liftfahrt (das war wahrscheinlich der erwähnte schnellste Lift der Schweiz) auf die Sphinx-Plattform. Dort oben ist man umgeben von den Viertausender und hat einen wunderbaren Blick auf Aletschgletscher und Konkordiaplatz. Die Berge sind so gigantisch, es war schwierig eine Dimension zu bekommen.

Erst als wir eine Seilschaft auf dem Weg in Richtung Gletscher entdeckten, wurde uns die wahre Grösse bewusst. Auf der anderen Seite waren wir leider nicht so glücklich mit der Aussicht. «Mit Blick bis in den Schwarzwald» wird geworben: Gesehen haben wir auch so weit, aber nur Wolken. Das war ärgerlich, sollte es doch eines der Highlights darstellen. Das Wetter war frühmorgens gut gewesen, nur zogen sich die Wolken auf unserer Anreise zusammen. Der Teil der Aussichtsplattform um das Gebäude herum war wegen Eisschlag geschlossen.

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Aussicht auf den Konkordiaplatz und den Aletschgletscher

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Keine Aussicht auf die andere Seite…

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Die Sphinx-Plattform

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe Der Besuch des Jungfraujochs – Top of EuropeDie Attraktionen

Wieder in der Anlage drin besuchten wir als nächstes den Eispalast. Dieser ist aus dem Berg gehauen und fantastisch! Die Böden und Wände sind spiegelglatt (es lässt sich gut darauf rumzieben ;)) und es sind schöne Eisskulpturen zu betrachten.
Dann gelangten wir über eine Abzweigung zu einer Ausstellung mit alten Fotografien und einer gigantischen Schneekugel, die die Schweiz darstellte. Die Fotos interessierten uns am meisten! Sie zeigten unter anderem die Erstellung des Eispalasts sowie die Erstbesteigung der Jungfrau im Jahre 1811! Danach gelangten wir auf eine weitere Aussichtsplattform, diesmal im Schnee. Besucher, welche noch nie Schnee gesehen hatten waren völlig aus dem Häuschen und es war auch wirklich hübsch. Es zeigte sich nahezu dieselbe Aussicht wie auf der Sphinx-Plattform, jedoch noch etwas näher an den Bergen und mit einer stolz errichteten Schweizerflagge.

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Härzigi Bärli im Eispalast

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

 

Wir verspürten langsam Hunger und auf einem Bänkli packte ich unser Picknick aus. Als Veganer muss man schliesslich immer etwas bereit haben 🙂 Blöderweise war das frischgekaufte Brot geschimmelt und unser Mittagessen somit auf einen kleinen Teil Gemüse und Avocado zusammengeschrumpft. Wir beschlossen spontan, in einem der zahlreichen Restaurants Pommes und Spaghetti essen zu gehen. Lasst euch gesagt sein, wie nicht anders zu erwarten ist das Essen völlig überteuert und das Angebot beschränkt! Wenigstens schmeckte es ganz okay.

Unsere Erkundungstour führte uns dann weiter zu einer Videoinstallation, einem Lindt Store und schliesslich raus aus den Stollen. Unterhalb der Sphinx-Plattform erstreckt sich ein kleiner Snowpark mit verschiedensten Attraktionen. Von dort aus gelangt man auch zur Mönchshütte. Uns blieb leider keine Zeit mehr, diesen Weg zu erkunden, da die Zeit schnell verflogen war. Drei Stunden später machten wir uns mit gemischten Impressionen auf die Rückreise.

Das Fazit

Ich hatte etwas anderes erwartet. Sicherlich mehr Aussicht: für das Wetter kann ja niemand was und es hat spannende Ausstellungen drinnen – enttäuscht war ich trotzdem. Es ist alles beschildert auf der Anlage, aber sie ist auch wirklich gross und unübersichtlich. Das ist aber nicht so schlimm, da man sich nicht unbedingt weit verirren kann.

Weiter hätte ich keine so kommerzielle Anlage vermutet. Es gibt dort oben so viele Uhren-, Souvenir- und Schokoladenshops! Und unzählige Restaurants – unglaublich! Sowieso ist vieles auf Touristen aus dem Ausland ausgelegt, einige Angestellte die uns begegneten sprachen kaum Deutsch. Das ist mir als Tourist aus der Region negativ aufgefallen. Ich empfand die Begegnung mit Menschen aus fernen Ländern als sehr bereichernd und schön! Der Franzose hat sich übrigens noch entschuldigt und eine Weile mit uns geplaudert (da wir im selben Lift feststeckten) – er war eigentlich ganz ein Netter 🙂 🙂  Das Personal der Jungfraubahnen hingegen fiel uns als unfreundlich auf, was ich sehr schade finde.

Ich ziehe folgendes Fazit zum Besuch des Jungfraujochs: Für den Preis wird einiges geboten und der Besuch wird sich an einem strahlend schönen Tag lohnen. Trotzdem finde ich die Kosten zu hoch – vielleicht lohnt sich der Besuch einer anderen, günstigeren Attraktion in der Bergwelt mehr?

Esist nett, dass ich jetzt einmal oben gewesen bin.

Tipps zum Besuch des Jungfraujochs

  • Warme Kleidung wie Daunenjacke oder Faserpelz anziehen, es ist kalt!
  • Essen mitnehmen
  • Einen wirklich fantastisch schönen Tag abwarten und spontan hinreisen
  • Genügend Zeit einplanen, ein Besuch dauert im Schnitt drei Stunden.
  • Sei gefasst auf eine äusserst touristische Anlage: Nichts von Bergweltromantik…
  • Die Aussicht ist nicht jene auf die Station, die wir in der Werbung gezeigt bekommen.

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

Der Besuch des Jungfraujochs – Top of Europe

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply Rahel Stössel 18. August 2016 at 19:35

    Vielen Dank für den interessanten Bericht, Pascale. Wow, ich hätte nicht gedacht, dass einem auf einem Berg so viel geboten wird.
    Auch wenn’s zu touristisch ist und die Aussicht nicht perfekt war, deine Fotos sind einfach WUNDERBAR 🙂

    Liebe Grüsse
    Rahel

    • Reply Pascale 21. August 2016 at 12:22

      Liebe Rahel
      Ja, ich war wirklich erstaunt was sie da alles raufgepackt haben… Vielen Dank dir für den lieben Kommentar!

    Leave a Reply